Bernsteinzimmer: Realität und Theater

Ralf Skala

Ralf Skala als Graf Golownin

Elmshorn    Seit einigen Tagen werden an der niederschlesischen Bahnlinie von Liegnitz nach Waldenburg nahe Schloss Fürstenstein Grabungen durchgeführt – mit offizieller Erlaubnis der polnischen Regierung. Die Suche gilt einem Reichsbahnzug, der in den letzten Wochen des 2. Weltkrieges in diesem Bereich aufwendig versteckt worden sein soll. In den Waggons wird unter anderem das demontierte Bernsteinzimmer vermutet.

Raimar Neufeldt, Vorsitzender des Elmshorner Vereins „Forum Baltikum – Dittchenbühne“, verfolgt die Grabungen mit gespanntem Interesse. Zum einen, weil er sich in der Vergangenheit selbst intensiv mit der Suche nach dem Bernsteinzimmer beschäftigt hat. Und zum anderen, weil die Premiere seines Stücks „Der Fluch des Bernsteinzimmers“ – unter anderem Ergebnis dieser Beschäftigung – an der Dittchenbühne am 2. September stattfinden wird.

Das Bernsteinzimmer – ein Raum mit Wandverkleidungen und Möbeln aus Bernstein – wurde im Auftrag des Preußenkönigs Friedrich I. von Andreas Schlüter geschaffen. Ursprünglich Bestandteil des Berliner Stadtschlosses wurde es von Friedrich Wilhelm I. 1716 an den russischen Zaren Peter den Großen verschenkt. Zwei Jahrhundert lang hatte es seinen Platz im Katharinenpalast bei Sankt Petersburg. Während des 2. Weltkriegs demontierten die Nazis 1941 Wandverkleidungen und Inneneinrichtung, um sie im Königsberger Schloss auszustellen. Seit Ende des Krieges 1945 ist das Bernsteinzimmer verschollen. Immer wieder wurde nach ihm gesucht – vergeblich. Jetzt blicken alle gespannt auf die Ausgrabungen bei Schloss Fürstenstein.

Raimar Neufeldt kommentiert: „Ganz gleich, ob das Bernsteinzimmer jetzt gefunden wird oder nicht: Auf die Besucher der Dittchenbühne wartet eine interessante Kriminalkomödie rund um dieses Zimmer – ein Stück, das mehr ist als eine Rekapitulation der Geschichte des Kunstwerks: eine humorvolle Auseinandersetzung nämlich mit der menschlichen Sucht nach Schätzen und der Gier nach wertvollem Besitz“. Deshalb bleibe es aktuell, „auch wenn die Suche nach dem Bernsteinzimmer irgendwann einmal erfolgreich sein sollte“