Dittchenbühne liess verschwundenes Bernsteinzimmer auferstehen

Dittchenbühne in St. Petersburg

Wie jedes Jahr machte die Elmshorner Dittchenbühne auf ihrer Tournee durch Polen, Litauen, Russland und Finnland in St. Petersburg Halt. Diesmal stand die Kriminalkomödie „Der Fluch des Bernsteinzimmers“ von Raimar Neufeldt unter der Regie von Maria von Bismarck auf dem Programm.

Das Rätsel um das geheimnisvoll verschwundene Bernsteinzimmer aus dem Katharinenpalast in Zarskoe Selo wird auch in diesem Stück nicht gelüftet, dessen offenes Ende wiederum vielerlei Interpretationen zulässt. Im Mittelpunkt stehen der  Kunsthistoriker und Direktor der Sammlung im Königsberger Schloss Alfred Rohde  (1892-1945), gespielt von Ralf Skala, sowie seine Nichte Anastasia (Maya Trojanowski).

Diese hat den Krieg überlebt und befindet sich in psychiatrischer Behandlung, weil sie angeblich über den Verbleibt des Bernsteinzimmers fantasiert. Als einzige glaubt ihr ein Engel (Jil-Lana Zehse), der immer wieder als Verkörperung des Geheimnisses um den Bernsteinschatz auftaucht.

Bernsteinzimmer gegen „Lange Kerls“

Die Geschichte bleibt einfach und verständlich bis kurz vor dem Schluss: Zar Peter der Grosse erhält das Bernsteinzimmer 1716 nach der Unterzeichnung der Allianz gegen Schweden als Geschenk vom „Soldatenkönig“ Friedrich Wilhelm I. (Kai Göhring), während dieser als Austauschgeschenk „Lange Kerls“ aus Russland für seine Leibgarde bekommt.

Nach einem Sprung ins Jahr 1941 wird die Sicherstellung des Bernsteinzimmers durch deutsche Soldaten (Klaus Schlicht und Sascha Müller) und den Kunsthistoriker Alfred Rohde auf Geheiss des ostpreussischen Gauleiters Erich Koch (Helmut Meier) erzählt. In Königsberg wird es im Schloss ausgestellt und eingelagert als die Rote Armee 1944 gegen Ostpreussen vorrückt.

Rohde gerät als Schlüsselfigur zwischen die Fronten

Im Stück wird Alfred Rohde als Verantwortlicher für den Schatz zur Schlüsselfigur und gerät zwischen die Fronten. Er und seine Frau Ilse (Stephanie Weiland und Katrin Cibin) werden von der Gestapo einerseits und von der Abwehr beworben und bedroht.

Sie sollen sich über die Anweisungen aus Berlin hinwegsetzen und das Zimmer insgeheim abtransportieren. An wen sie sich halten, bleibt offen, doch halten Rohdes bis zum Eintreffen der Russen in Königsberg und vergiften sich, als auch diese die Preisgabe des Geheimnisses fordern.

Tot oder putzmunter in der Karibik?

Aber nicht nur das Versteck des Bernsteinschatzes, sondern auch ihr Ende bleiben offen. Ihre Nichte Anastasia verrät dem Publikum, sie hätte die beiden kerngesund in der Karibik gesehen – bevor sie endgültig in die Zwangsjacke gesteckt wird. In der Schlussszene beklagen der Preussenkönig und der verzweifelte Engel den Fluch um das Bernsteinzimmer und kommen zum Schluss, dass schenken und zurückholen – gestohlen sei.

Das Stück wurde vom grossen Petersburger Publikum, in dem sich zahlreiche DeutschschülerInnen, sowie Germanistik-StudentInnen befanden, dankbar aufgenommen. Ausser Petersburg besuchte die Dittchenbühne dieses Jahr Bühnen in Schneidemühl (Piła), Gdingen (Gdynia), Elbing (Elbląg), Königsberg (Kaliningrad), Schaulen (Siauliai), Pleskau (Pskov). Nach Petersburg wurde die Tournee in Petrosavodsk, Rovaniemi, Tampere, Raisio fortgesetzt.

Bilder: Eugen von Arb/ SPB-Herold

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