Wenn ein Bernsteinzimmer das Prinzip Hoffnung symbolisiert

Dieses mal in der Kulturkritik: Die Premiere einer neuen Tragikomödie der Elmshorner Dittchenbühne vor ausverkauftem Haus

Elmshorn:: Immer wenn der Engel erscheint, begleitet ihn eine fast überirdisch anmutende Melodie. Die Protagonisten des neuen Stücks der Elmshorner Dittchenbühne, das am Freitagabend Premiere feierte, brauchen seinen Zuspruch. Der Titel „Der Fluch des Bernsteinzimmers“ beschreibt bereits, was sich für alle anbahnt, die näher mit diesem „achten Weltwunder“ zu tun haben und ihr Heil in ihm suchen.

Autor Raimar Neufeld, der Vorsitzende des Vereins Forum Baltikum – Dittchenbühne, muss sich intensiv mit der Historie des Bernsteinzimmers beschäftigt haben, nach welchem nach wie vor seit dessen Verschwinden 1945 gesucht wird. Er zeichnet im Stück den Weg des Kunstwerks von der Entstehung bis zum Verlust nach. Dabei vermischen sich Fakten und Fiktion, historische Charaktere und erfundene Personen. Doch allen Hauptfiguren ist eigen, dass ihre Lebensgeschichte unauflöslich mit der des Zimmers verbunden ist. Wie sehr sich dessen Macht bis in die Gegenwart hineinzieht, wird gleich in der ersten Spielszene klar.

Zwei Stühle stehen links, ein weiß gekleideter Arzt und ein Mädchen im auffällig bunten Blumenkleidsind die einzigen Akteure auf der Bühne. Zuvor hat das Mädchen, das sich Anastasia nennt, im Intro von einer großen Angst gesungen. „Bewahre und behüte uns“, hat es gefleht, begleitet von einem Schattenchor hinter der Bühne. Die Bitte um Schutz und das Sehnen nach Geborgenheit waren nicht umsonst. In den weiteren Szenen, insgesamt sind es ganze 15, taucht immer wieder der Engel ganz in Weiß auf, in Gestalt eines Mädchens. Auch hier, wenn Anastasia, mit viel Verve und Pathos gespielt von Maya Trojanowski, dem verklemmten und stammelnden Dr. Börger (Sascha Müller) klarmachen möchte, dass sie ein Medium ist und keinesfalls ein pathologischer Fall. Goldene Tränen der Götter nennt sie den Stoff, aus dem das Bernsteinzimmer besteht. Angeblich weiß sie, wo es sich befindet. Natürlich schenkt ihr niemand Glauben. Wie sich im Laufe des Geschenes herausstellt, ist Anastasia tatsächlich die Nichte des Kunsthistorikers Alfred Rohde, der eine ganz besondere Beziehung zu dem Bernsteinzimmer hatte. Er tritt genauso im Stück auf wie Bernsteinschleifer-Meister Geelhaar und sein Lehrling Franz, König Friedrich Wilhelm I., der Gesandte des Zaren, Nazis und Russen und Oberleutnant Schuster, der in jeder Lage einen trockenen Spruch auf Lager hat und für manchen Lacher sorgt.

Mittels auf Leinwände projizierter Bilder im Hintergrund ensteht ein dichte Atmosphäre, die einfach in jeder Szene stimmig ist. Die Idee dazu entstand, weil Regisseurin Maria von Bismarck das Bernsteinzimmer „sichtbar machen“ wollte. Das ist ihr genauso gelungen wie die perfekte Vermittlung der Begeisterung, die menschen über eine schwierige Situation hinwegzutragen vermag. (nick)

„Der Fluch des Bernsteinzimmers“: Termine und Karten unter www.dittchenbuehne.de oder Telefon 04121/89710