BALTISCHE TAFELRUNDE MIT GRÜNEM GAST

„Sie müssen die Grünen auch nicht aus Mitleid mit mir wählen.“ – Mit diesem Satz – und viel Heiterkeit – endete die Antwort des Ministers Dr. Robert Habeck auf die Frage eines der zahlreichen Gäste: „Nennen Sie mir drei Gründe, warum ich Sie wählen soll.“

Robert Habeck, Minister für Landwirtschaft und Umwelt der Landesregierung Schleswig-Holstein, war an diesem Abend nicht, wie ausdrücklich von ihm wie auch vom einladenden Hausherrn Raimar Neufeldt betont wurde, in Sachen Wahl unterwegs, sondern um anläßlich der X. Baltischen Tafelrunde im Forum Baltikum/Dittchenbühne in Elmshorn über das Thema „Zusammenhalt im Ostseeraum“ zu sprechen. Dabei konzentrierte er sich auf einige wesentliche Aspekte.

Habeck ist an der Küste aufgewachsen; er sieht die Ostsee nicht als das uns trennende, sondern als das verbindende Meer. Mit einem Exkurs in die Geschichte der Hanse (Wie und warum ist sie entstanden?) schuf er mit Worten anschauliche Bilder, um zu verdeutlichen, worin die Unterschiede zum Heute liegen, welche Parallelen sich aber auch erkennen lassen. Ein Vakuum der Macht, die Entstehung des Geldes (statt Tauschhandel), sichere Handelswege und mächtig gewordene Städte, die sich auch zu kulturellen Zentren entwickelt hatten, ließen die Hanse groß werden. Heute finden wir Europa in der Krise. Mit der Aussage: „Es regieren Menschen, die ihre eigene Geschichte nicht kennen.“, erntete Habeck Zustimmung. Entstandene regionale Bünde, wie z. B. der Rat der Regionen, werden stets überlagert von Brüssel. „Menschen aber suchen Identitäten, suchen Heimat!“ Der Begriff Heimat sei zwar konservativ besetzt, man könne ihn aber auch so verstehen (und Habeck bringt ein Zitat, das ihm im Büro des Chefredakteurs einer großen deutschen Tageszeitung aufgefallen war): „Heimat ist der Ort, den wir mit unseren Geschichten füllen.“

Unsere vielen ehrenamtlichen Helfer und Köche bei der Baltischen Tafelrunde 2017

Unsere vielen ehrenamtlichen Helfer und Köche bei der Baltischen Tafelrunde 2017

Die Baltischen Staaten nannte Habeck das Vorbild, wenn es um die Entwicklung der Digitalen Welt geht. Diese Länder zeigen gleichzeitig, dass Kultur eine eigene Kraft besitzt. Ein eigenes Kulturbewußtsein zu entwickeln ist notwendig und Sprache als kulturelle Identität zu bewahren. An dieser Stelle lobte Habeck die Tourneen der Dittchenbühne, die wichtiger seien als manche Reise einer Wirtschaftsdelegation. – Raimar Neufeldt, der 1. Vorsitzende der Dittchenbühne (einziges ostpreußisches Theater in Deutschland) hatte in seiner Begrüßung diese Tatsache benannt: Seit 27 Jahren geht das Ensemble der Dittchenbühne jeden Oktober auf Theaterfahrt entlang der Ostseeküste. In der Regel werden in 12 Tagen elf Aufführungen in fünf Ländern auf die Bühne gebracht. Erwartet wird die Dittchenbühne zwischen Stettin und Helsinki. – Welch eine Leistung! Vor allem, wenn man bedenkt, sie wird von Laien, von Ehrenamtlichen erbracht (Ausnahme: die Regie ist professionell.).

Eindringlich ging Habeck auf die Munitionsbelastung der Ostsee ein, eine Folge des II. Weltkrieges. Er nannte es „ein ökologisches Katastrophenpotential, das da schlummert“ und auch, dass „dieses Thema unterdramatisiert ist“. Hoffnung besteht in der Entwicklung eines speziellen Tauchroboters. Die Bergung von Munition ist ein weltweites Problem.

Arno Surminski, der in Ostpreußen geborene, in Hamburg lebende Schriftsteller, versäumte nicht, darauf hinzuweisen, dass die Ostsee ein riesengroßer Friedhof ist. Der der Dittchenbühne sehr verbundene Autor nannte, dass allein an 7.000 Tote in der Neustädter Bucht gedacht werden muss.

Der Gastredner des Abends, Robert Habeck, präsentierte sich als sympathischer und „normal-menschlicher“ Politiker (und Vater von vier Söhnen), als einer, der Lust hat, sein Amt weiterhin auszuüben. Und wenn das nicht der Fall sein sollte: „Wer weiß, was Gott noch mit mir vorhat.“ Den Elchbraten zu genießen, die kulinarische Reise rund um die Ostsee bis zum Schluß mitzumachen, war ihm nicht möglich. Eine Telefonkonferenz über Atomkraftwerke stand noch in seinem Terminkalender.

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