„Nathan der Weise“: Ganz großes Theater an der Dittchenbühne

(Elmshorn / 2.2.2017) Am 24. Februar 2017 wird Lessings großes Toleranz-Drama „Nathan der Weise“ an der Elmshorner Dittchenbühne Premiere feiern. Über Inhalt und Bedeutung des Stücks sprachen wir mit Dittchenbühnen-Chef Raimar Neufeldt.

Herr Neufeldt, was steht im Mittelpunkt von Lessings „Nathan der Weise“?

Raimar Neufeldt: Das Werk propagiert Humanismus und Toleranz. Besonders berühmt ist die Ringparabel im dritten Akt des Dramas, die beispielhaft darlegt, dass keine Religion einer anderen überlegen oder unterlegen ist – gezeigt am Judentum, Christentum und Islam. Die „wahre“ Religion, so Lessing, sei nicht erkennbar, und die sich daraus ergebende Aufgabe, jeder solle im Sinne seiner Religion leben, verbiete Intoleranz und Missionierung. Und ich füge hinzu: Von Mord und Totschlag einmal ganz zu schweigen.

Also – mit Blick nicht nur auf den Nahen Osten – eine durchaus aktuelle Thematik?

Sicherlich! Wenn man bedenkt, dass Lessings Stück 1779 veröffentlich und 1783 uraufgeführt wurde, ist es geradezu bestürzend, wie wenig es in dieser Zeit an Bedeutung verloren hat. Für wie gefährlich das Stück und seine Ideen eingeschätzt wurden, zeigt die Reaktion der Nazis…

…die es mit einem Spielverbot belegten und aus der Schullektüre verbannten.

Weil der Gedanke der Toleranz und der Menschlichkeit und weil die positive Darstellung eines Juden, eben Nathans, der Nazi-Ideologie entgegengesetzt war. Nach 1945 wurde der „Nathan“ dann wieder in die Lehrpläne für den Deutschunterricht aufgenommen. Nebenbei gesagt: Wir freuen uns immer, wenn Schüler oder auch ganze Schulklassen zu uns ins Theater kommen – und bei diesem Stück noch viel mehr.

Nun ist „Nathan der Weise“ aber auch ist ein Theaterstück, das große Ansprüche an Inszenierung und Schauspieler stellt….

Ja, und es gab schon nach den ersten Aufführungen durchaus auch kritische Meinungen. Aber es gab dann auch immer wieder Inszenierungen, die vom Publikum begeistert aufgenommen wurden. Ich bin gespannt, wie Regisseur Klaus Falkhausen unseren Nathan inszeniert. Das Stück enthält tragische wie komische Elemente, ist aber weder eine Tragödie noch – trotz Happy Ends – eine Komödie.

Herr Neufeldt, wir wünschen „Toi, toi, toi“ für die Premiere!